Autofahren mit Kontaktlinsen: Regeln, Sicherheit und Nachtfahrten 

Rund 90 Prozent dessen, was wir im Straßenverkehr verarbeiten, nehmen wir über die Augen auf. Trotzdem prüft in Deutschland niemand mehr Ihre Sehschärfe, sobald Sie den Führerschein einmal in der Hand halten – bei der Klasse B gibt es keine gesetzlich vorgeschriebene Wiederholung. 

Wer Kontaktlinsen trägt, fährt damit in aller Regel gut: kein Gestell im Sichtfeld, keine beschlagenen Gläser, keine Spiegelungen von entgegenkommenden Scheinwerfern. Es gibt aber eine rechtliche Feinheit, die viele nicht kennen – und die im Zweifel 25 € kostet. 

Ist Autofahren mit Kontaktlinsen erlaubt? 

Ja. Entscheidend ist allerdings nicht, was Sie bevorzugen, sondern was in Ihrem Führerschein steht. Werfen Sie einen Blick auf die Rückseite: In Spalte 12 stehen die sogenannten Schlüsselzahlen, also die Auflagen zu Ihrer Fahrerlaubnis. 

Schlüsselzahl Bedeutung Was das für Sie heißt 
01 Sehhilfe und/oder Augenschutz Sie müssen eine Sehhilfe tragen, dürfen aber wählen welche 
01.01 Brille Nur Brille. Kontaktlinsen erfüllen diese Auflage nicht 
01.02 Kontaktlinse(n) Kontaktlinsen sind ausdrücklich vorgesehen 
01.06 Brille oder Kontaktlinsen Freie Wahl zwischen beidem – der häufigste Eintrag 

Harmonisierte EU-Schlüsselzahlen für Sehhilfen, eingetragen in Spalte 12 des Führerscheins. 

Der Punkt, den fast niemand kennt: Steht in Ihrem Führerschein 01.01 – also ausdrücklich „Brille“ –, dann erfüllen Kontaktlinsen die Auflage nicht. Wer stattdessen Linsen trägt, riskiert ein Verwarnungsgeld von 25 €, weil er nicht genau das trägt, was angeordnet wurde. Das ist kein Formalismus: Bei einer Kontrolle zählt der Eintrag, nicht Ihre Sehleistung. 

Ändern lässt sich der Eintrag unkompliziert. Sie stellen einen Antrag bei der Führerscheinstelle Ihres Wohnorts und legen einen aktuellen Sehtest vor. Wer erst nach der Führerscheinprüfung auf Kontaktlinsen umgestiegen ist, sollte das erledigen, bevor es darauf ankommt. 

Die rechtliche Grundlage dafür ist übrigens nicht die Straßenverkehrs-Ordnung, sondern die Fahrerlaubnis-Verordnung: § 23 Abs. 2 FeV regelt die Auflagen, § 75 FeV in Verbindung mit § 24 StVG und Nummer 169 des Bußgeldkatalogs die Ahndung. 

Welche Sehstärke schreibt das Gesetz vor? 

Für die Fahrerlaubnis der Klasse B verlangt die Fahrerlaubnis-Verordnung eine zentrale Tagessehschärfe von mindestens 0,7 auf jedem Auge – mit oder ohne Sehhilfe. Sie dürfen den Wert also mit Kontaktlinsen erreichen, das ist ausdrücklich vorgesehen. 

Wer im Sehtest darunterbleibt, wird zur augenärztlichen Untersuchung geschickt. Dort gelten differenziertere Regeln; unter bestimmten Voraussetzungen genügt ein Visus von 0,5 auf dem besseren Auge beziehungsweise beidäugig. Für die Klassen C und D – Lkw und Bus – sind die Anforderungen deutlich höher und werden regelmäßig überprüft. 

Einmal geprüft, nie wieder: Für Pkw-Fahrer gibt es in Deutschland nach der Führerscheinprüfung keine gesetzliche Pflicht zu einer erneuten Sehprüfung. Wer mit 18 den Sehtest gemacht hat, fährt womöglich mit 55 noch auf dieser Grundlage. Der ADAC empfiehlt deshalb, ab etwa 40 regelmäßig zum Check zu gehen – gerade weil Sehverschlechterungen schleichend kommen und man sich an sie gewöhnt. 

Was passiert bei einem Unfall ohne vorgeschriebene Sehhilfe? 

Ohne Vorkommnisse bleibt es beim Verwarnungsgeld von 25 €, Punkte in Flensburg gibt es dafür nicht. Kommt es allerdings zu einem Unfall, ändert sich die Lage: Dann steht der Vorwurf im Raum, das Fahrzeug trotz bekannter Einschränkung geführt zu haben. Je nach Folgen kann eine fahrlässige Körperverletzung nach § 229 StGB geprüft werden. 

Auch versicherungsrechtlich wird es unangenehm. Die Versicherung kann ihre Leistung kürzen oder ganz verweigern, wenn Sie die eingetragene Auflage nicht erfüllt haben. Der Aufwand, den Eintrag korrekt zu halten, steht dazu in keinem Verhältnis. 

Vorteile von Kontaktlinsen am Steuer 

Für die meisten Träger überwiegen im Auto klar die Vorteile: 

  • Freies Sichtfeld. Kein Gestell und kein Glasrand, der beim Schulterblick oder im toten Winkel stört. Die Linse bewegt sich mit dem Auge – Sie sehen überall dort scharf, wohin Sie schauen. 
  • Kein Beschlagen. Der Klassiker im Winter: Sie steigen ins kalte Auto und sehen 30 Sekunden lang nichts. Mit Linsen entfällt das ebenso wie Regentropfen und Fingerabdrücke auf den Gläsern. 
  • Weniger Reflexionen bei Nacht. Brillengläser bieten Oberflächen, an denen sich entgegenkommendes Licht spiegeln kann. Diese Lichtquelle fällt mit Kontaktlinsen weg. 
  • Jede Sonnenbrille passt. Sie brauchen keine teure Sonnenbrille in Ihrer Stärke und müssen bei wechselndem Licht nicht zwischen zwei Brillen wechseln. 

Nachtfahrten mit Kontaktlinsen 

Nachts fährt es sich schlechter – das gilt für alle, mit und ohne Sehhilfe. Der Grund liegt in der Physiologie: Bei wenig Licht weitet sich die Pupille, und je größer die Pupille, desto stärker machen sich optische Abbildungsfehler bemerkbar. Lichtquellen bekommen Höfe, Kanten werden weicher, die Tiefenschärfe nimmt ab. 

Dazu kommt die Anpassungszeit. Der Wechsel von Hell nach Dunkel dauert erheblich länger als umgekehrt – die vollständige Dunkeladaptation kann bis zu einer Stunde brauchen, während sich das Auge an Helligkeit binnen Sekunden gewöhnt. Genau deshalb ist jeder entgegenkommende Scheinwerfer ein kleiner Rückschritt. Wie das im Detail funktioniert, erklären wir in Wie sich unsere Augen an verschiedenste Lichtverhältnisse anpassen

Was der Sehtest zum Führerschein nicht abdeckt 

Hier liegt eine echte Lücke. Der Sehtest für die Klasse B prüft die statische Sehschärfe bei Tageslicht – mehr nicht: 

Was der Sehtest zum Führerschein prüft Was er nicht prüft 
Zentrale Tagessehschärfe: mindestens 0,7 auf jedem Auge Dämmerungssehen – wie gut Sie bei wenig Licht sehen 
Beide Augen getrennt, mit oder ohne Sehhilfe Blendempfindlichkeit – wie schnell Sie sich von Scheinwerferlicht erholen 
Einmalig vor Erteilung der Fahrerlaubnis Klasse B Gesichtsfeld – was Sie am Rand wahrnehmen 
— Und danach: bei Klasse B keine gesetzliche Wiederholung 

Dämmerungssehen und Blendempfindlichkeit werden nur für die Klassen C und D verpflichtend untersucht. 

Wenn Ihnen Nachtfahrten zunehmend schwerfallen, ist das also kein Grund anzunehmen, dass mit Ihren Augen alles in Ordnung ist, nur weil Sie den Sehtest damals bestanden haben. Diese Untersuchung können Sie beim Augenarzt gezielt durchführen lassen. 

Hornhautverkrümmung: der häufigste Grund für schlechtes Nachtsehen 

Eine unkorrigierte oder unzureichend korrigierte Hornhautverkrümmung zeigt sich nachts deutlicher als am Tag. Typisch sind sternförmig auslaufende Strahlen um Scheinwerfer und Ampeln sowie doppelte Konturen. Torische Kontaktlinsen korrigieren Zylinder und Achse und bleiben dabei stabil im Auge ausgerichtet – für viele Träger ist der Unterschied bei Nachtfahrten der überzeugendste Grund, überhaupt auf Linsen umzusteigen. 

Eine Sonderform ist die Nachtkurzsichtigkeit: Manche Menschen sehen bei Dunkelheit spürbar schlechter, obwohl ihre Tageswerte in Ordnung sind. Wer nachts Schilder deutlich später erkennt als Mitfahrende, sollte das gezielt abklären lassen. 

Sieben Handgriffe für sicherere Nachtfahrten 

  1. Scheiben innen und außen putzen. Schlieren und Fingerabdrücke fallen tagsüber kaum auf und streuen nachts jedes Gegenlicht. 
  1. Scheinwerfer säubern. Verschmutzte Streuscheiben kosten spürbar Lichtausbeute. Wischwasser auffüllen, Wischerblätter prüfen. 
  1. Nicht ins Gegenlicht schauen. Orientieren Sie sich am rechten Fahrbahnrand, bis das Fahrzeug vorbei ist. 
  1. Instrumentenbeleuchtung dimmen. Ein hell leuchtendes Display hält das Auge im Hellzustand und verlängert die Anpassung an die dunkle Straße. 
  1. Bewusst blinzeln. Bei konzentriertem Blick nach vorn sinkt die Lidschlagrate – der Tränenfilm reißt auf, das Bild wird unscharf. 
  1. Pausen einplanen. Nach zwei Stunden Nachtfahrt lässt die Konzentration messbar nach, und trockene Augen verstärken das. 
  1. Ersatzbrille dabeihaben. Falls eine Linse reißt oder das Auge nicht mehr mitmacht. 

Tipps für lange Fahrten mit Kontaktlinsen 

Das häufigste Problem am Steuer ist nicht die Sehschärfe, sondern Trockenheit. Autolüftung, Klimaanlage und die starre Blickrichtung nach vorn senken die Lidschlagfrequenz – nach zwei Stunden Autobahn merkt man das. Nachbenetzungstropfen gehören deshalb ins Handschuhfach, etwa Blink Contacts, Systane oder Hycosan. Anwenden aber bitte nur im Stand. 

  • Lüftung umlenken. Düsen zur Scheibe oder nach unten richten, nie ins Gesicht. Das ist die wirksamste Einzelmaßnahme gegen trockene Linsen im Auto. 
  • Linsen nie während der Fahrt einsetzen oder herausnehmen. Klingt selbstverständlich, passiert aber täglich an roten Ampeln. 
  • Keine farbigen Motivlinsen am Steuer. Der eingefärbte Bereich von farbigen Kontaktlinsen kann bei weiter Pupille ins Sichtfeld ragen – nachts also genau dann, wenn Sie das Sichtfeld brauchen. 
  • Auf frische Linsen achten. Eine Monatslinse in Woche fünf hat Ablagerungen, die nachts streuen. Für Vielfahrer sind Tageslinsen oft die unkompliziertere Wahl. 

Zur Ersatzbrille: Eine gesetzliche Pflicht, eine zweite Sehhilfe mitzuführen, gibt es in Deutschland nicht. Sinnvoll ist sie trotzdem – ohne funktionierende Sehhilfe dürfen Sie nicht weiterfahren, und eine gerissene Linse auf der Autobahn ist ein schlechter Moment, das zu merken. In einigen Nachbarländern gelten strengere Regeln; prüfen Sie das vor einer Auslandsfahrt. 

Und der wichtigste Punkt für alle, die nachts oder beruflich viel fahren: Fahren Sie nie mit Linsen, in denen Sie geschlafen haben. Eine Linse, die eine Nacht im Auge war, sitzt schlechter und trübt eher ein. Was dann zu tun ist, steht in Mit Kontaktlinsen geschlafen? Was jetzt zu tun ist

Fazit 

Kontaktlinsen sind am Steuer eine sehr gute Wahl – vorausgesetzt, der Eintrag im Führerschein passt und Ihre Werte sind aktuell. Prüfen Sie beides einmal: Spalte 12 auf der Rückseite des Führerscheins, und wann Sie das letzte Mal beim Augenoptiker waren. Wenn Sie dabei feststellen, dass Ihre Linsen nicht mehr zu Ihrem Alltag passen, finden Sie im Lenstore-Sortiment die passende Alternative – von Tageslinsen für Vielfahrer bis zu torischen Linsen für stabiles Sehen bei Nacht. 

Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung und keine augenärztliche Beratung. Verbindlich ist der Eintrag in Ihrem Führerschein; bei Fragen dazu hilft die Führerscheinstelle. Für Ihre Sehwerte ist die augenärztliche oder augenoptische Fachperson zuständig. 

Häufige Fragen 

Ist Autofahren mit Kontaktlinsen erlaubt? 

Autofahren mit Kontaktlinsen ist in Deutschland erlaubt. Entscheidend ist die Schlüsselzahl in Ihrem Führerschein: Steht dort 01.02 oder 01.06, dürfen Sie Kontaktlinsen tragen. Steht dort 01.01, ist ausdrücklich eine Brille vorgeschrieben. Wer die eingetragene Auflage nicht erfüllt, begeht eine Ordnungswidrigkeit nach § 23 Abs. 2 FeV. 

Was bedeutet die Schlüsselzahl 01.06 im Führerschein? 

Die Schlüsselzahl 01.06 im Führerschein bedeutet Brille oder Kontaktlinsen. Sie dürfen also frei wählen, welche Sehhilfe Sie beim Fahren tragen, müssen aber eine von beiden tragen. Die verwandten Codes lauten 01.01 für Brille, 01.02 für Kontaktlinsen und 01 für Sehhilfe und/oder Augenschutz allgemein. 

Darf ich Kontaktlinsen tragen, wenn im Führerschein 01.01 Brille steht? 

Wenn im Führerschein 01.01 für Brille eingetragen ist, dürfen Sie beim Fahren nicht stattdessen Kontaktlinsen tragen. Dabei droht ein Verwarnungsgeld von 25 €, weil Sie die eingetragene Auflage nicht erfüllen. Möchten Sie Kontaktlinsen nutzen, lassen Sie den Eintrag bei der Führerscheinstelle ändern – dafür genügt in der Regel ein aktueller Sehtest. 

Welche Sehstärke brauche ich für den Autoführerschein? 

Für den Autoführerschein der Klasse B verlangt die Fahrerlaubnis-Verordnung eine zentrale Tagessehschärfe von mindestens 0,7 auf jedem Auge – mit oder ohne Sehhilfe. Wer diesen Wert im Sehtest nicht erreicht, muss zur augenärztlichen Untersuchung. Dort genügt unter bestimmten Voraussetzungen ein Visus von 0,5 auf dem besseren Auge beziehungsweise beidäugig. 

Sind Kontaktlinsen oder eine Brille besser für Nachtfahrten? 

Für Nachtfahrten haben Kontaktlinsen den Vorteil, dass keine Brillengläser vorhanden sind, an denen sich Scheinwerferlicht spiegeln kann, und dass das Gestell das Sichtfeld nicht einschränkt. Bei einer Hornhautverkrümmung können torische Kontaktlinsen das Sehen bei Dunkelheit stabiler machen. Trockene Augen durch die Autolüftung sprechen dagegen eher für die Brille. Welche Lösung besser passt, ist individuell. 

Muss ich als Kontaktlinsenträger eine Ersatzbrille im Auto haben? 

Eine gesetzliche Pflicht, eine Ersatzbrille im Auto mitzuführen, gibt es in Deutschland nicht. Sinnvoll ist sie trotzdem: Wenn eine Linse reißt, verrutscht oder das Auge auf einer langen Fahrt zu trocken wird, dürfen Sie ohne funktionierende Sehhilfe nicht weiterfahren. In einigen Nachbarländern gelten strengere Regeln – informieren Sie sich vor einer Auslandsfahrt.