Kontaktlinsen einsetzen und entfernen: die Schritt-für-Schritt-Anleitung 

Beim ersten Mal fühlt sich das Einsetzen von Kontaktlinsen ungewohnt an – und das ist völlig normal. Fast jeder, der heute Linsen trägt, hat am Anfang ein paar Minuten vor dem Spiegel gebraucht und mindestens einmal gedacht: „Das lerne ich nie.“ Die gute Nachricht: Mit etwas Übung geht das Einsetzen und Entfernen von Kontaktlinsen schnell und einfach. Nach wenigen Tagen erledigen Sie beides in unter einer Minute, ganz automatisch, gleich nach dem Zähneputzen. 

In dieser Anleitung führen wir Sie durch beide Handgriffe – Schritt für Schritt, ohne Fachjargon. Sie erfahren, was Sie dafür brauchen, worauf Sie bei der Hygiene achten sollten, welche Tricks Einsteigern das Leben leichter machen und was Sie tun, wenn eine Linse einmal nicht so will wie Sie. 

Ein Hinweis vorab: Diese Anleitung gilt für weiche Kontaktlinsen, also für Tageslinsen, Wochenlinsen und Monatslinsen. Für harte, formstabile Linsen gelten etwas andere Handgriffe – lassen Sie sich diese am besten direkt bei Ihrer Kontaktlinsen-Anpassung zeigen. 

Was Sie benötigen 

Bevor Sie anfangen, legen Sie sich alles in Reichweite. Wer mitten im Vorgang noch das Handtuch sucht, macht es sich unnötig schwer. 

  • Saubere Hände und eine milde Seife. Am besten ohne Öle, Cremezusätze oder Parfüm – Rückstände wandern sonst direkt auf die Linse und ins Auge. 
  • Ein fusselfreies Handtuch. Frotteehandtücher hinterlassen Fasern an den Fingern, und genau die kleben später an der Linse. 
  • Ein Spiegel. Ein Badspiegel reicht völlig. Wenn Sie es sich leichter machen möchten, nehmen Sie zusätzlich einen Kosmetikspiegel mit Vergrößerung. 
  • Ihr Kontaktlinsenbehälter. Für Monats- und Wochenlinsen unverzichtbar. Tauschen Sie ihn alle 1 bis 3 Monate aus. 

Ein letzter praktischer Tipp, bevor es losgeht: Schließen Sie den Abfluss oder legen Sie ein Handtuch ins Waschbecken. Eine Linse, die daneben landet, finden Sie so in Sekunden wieder – im Abfluss nicht. 

Kontaktlinsen einsetzen: Schritt für Schritt 

Nehmen Sie sich für die ersten Versuche 5 Minuten Zeit und gewöhnen Sie sich an, immer mit demselben Auge zu beginnen. Das klingt nach einer Kleinigkeit, verhindert aber zuverlässig, dass Sie die Linsen verwechseln – besonders wichtig, wenn Ihre Augen unterschiedliche Werte haben. 

Schritt 1: Hände gründlich mit Seife waschen 

Waschen Sie Ihre Hände mindestens 20 Sekunden lang mit einer milden Seife, inklusive Fingerzwischenräumen und unter den Nägeln. Das ist der wichtigste Schritt der ganzen Anleitung: Die meisten Augeninfektionen bei Linsenträgern gehen auf Keime an den Händen zurück, nicht auf die Linse selbst. 

Schritt 2: Mit einem fusselfreien Handtuch trocknen 

Trocknen Sie Ihre Hände vollständig ab. Auf feuchten Fingern rutscht die Linse hin und her oder klebt an der Fingerkuppe fest, statt sich sauber aufs Auge legen zu lassen. Ein fusselfreies Handtuch oder ein Küchenpapier ohne Prägung funktioniert am besten. 

Schritt 3: Linse aus dem Behälter nehmen und prüfen 

Nehmen Sie die Linse mit der Fingerkuppe – nicht mit den Nägeln – aus dem Behälter oder dem Blister und setzen Sie sie auf die Spitze Ihres Zeigefingers. Prüfen Sie jetzt, ob sie richtig herum liegt: Eine korrekt liegende Linse sieht aus wie eine kleine Schale mit gleichmäßig nach oben gerichteten Rändern. Steht der Rand leicht nach außen ab, ähnlich wie bei einem Suppenteller, liegt sie verkehrt herum. Drehen Sie sie in diesem Fall vorsichtig um. 

Schritt 4: Linse auf den Zeigefinger legen 

Balancieren Sie die Linse auf der Spitze des Zeigefingers Ihrer dominanten Hand. Sie sollte dort locker aufliegen und sich nicht verformen. Kollabiert die Linse oder faltet sie sich zusammen, ist Ihr Finger meist noch zu feucht – kurz abtrocknen und neu ansetzen. 

Schritt 5: Unterlid mit dem Mittelfinger nach unten ziehen 

Ziehen Sie mit dem Mittelfinger derselben Hand Ihr Unterlid sanft nach unten. Mit der freien Hand halten Sie gleichzeitig das Oberlid fest. So schaffen Sie eine stabile Öffnung – und Ihr Auge kann sich nicht im entscheidenden Moment schließen. 

Schritt 6: Nach oben schauen und die Linse aufs Auge legen 

Schauen Sie nach oben oder fixieren Sie einen Punkt im Spiegel und führen Sie die Linse ruhig an das Auge heran. Legen Sie sie auf das Weiße unterhalb der Pupille oder direkt auf die Hornhaut – beides funktioniert. Wichtig: nicht drücken. Die Linse haftet von selbst, sobald sie die Tränenflüssigkeit berührt. 

Schritt 7: Mehrfach blinzeln, bis die Linse sitzt 

Lassen Sie das Lid langsam los und blinzeln Sie ein paar Mal. Dabei zentriert sich die Linse von allein auf der Hornhaut. Ihr Blick sollte sofort klar sein und sich nichts unangenehm anfühlen. Wiederholen Sie das Ganze anschließend am zweiten Auge. 

Kontaktlinsen entfernen: Schritt für Schritt 

Das Herausnehmen geht schneller als das Einsetzen – die meisten haben es nach zwei bis drei Tagen raus. Halten Sie sich an die gleiche Reihenfolge wie morgens. 

Schritt 1: Hände waschen und trocknen 

Auch abends gilt: erst waschen, dann fassen. Nach einem ganzen Tag haben Ihre Hände deutlich mehr Keime gesammelt als am Morgen, und die möchten Sie nicht an ein Auge bringen, das den ganzen Tag eine Linse getragen hat. 

Schritt 2: Nach oben schauen 

Stellen Sie sich vor den Spiegel und schauen Sie nach oben, während Sie mit dem Mittelfinger das Unterlid nach unten ziehen. Die Linse liegt dadurch frei zugänglich im unteren Teil des Auges. 

Schritt 3: Linse mit dem Zeigefinger nach unten schieben 

Legen Sie die Kuppe des Zeigefingers auf die Linse und schieben Sie sie sanft nach unten auf das Weiße des Auges. Dort löst sie sich vom Tränenfilm und lässt sich greifen, ohne dass Sie die empfindliche Hornhaut berühren. 

Schritt 4: Zwischen Daumen und Zeigefinger zusammendrücken 

Nehmen Sie die Linse zwischen Daumen und Zeigefinger und drücken Sie sie leicht zusammen. Sie faltet sich dabei in der Mitte und löst sich vollständig vom Auge. Arbeiten Sie immer mit den Fingerkuppen, nie mit den Nägeln. 

Schritt 5: Linse aus dem Auge nehmen 

Führen Sie die Linse gerade nach vorn aus dem Auge heraus. Ziehen Sie nicht zur Seite – das zieht unnötig am Lid. Danach folgt das zweite Auge, in gewohnter Reihenfolge. 

Schritt 6: Tageslinsen entsorgen, Monatslinsen reinigen und aufbewahren 

Tageslinsen werfen Sie direkt in den Restmüll – sie sind für genau einen Tag gemacht und werden nie wieder eingesetzt. Wochen- und Monatslinsen reinigen Sie mit Ihrer Pflegelösung, legen sie in den mit frischer Flüssigkeit gefüllten Behälter und verschließen ihn. Wie Sie dabei am besten vorgehen, zeigen wir Ihnen ausführlich in unserer Anleitung zur Kontaktlinsen-Reinigung Schritt für Schritt. Und ganz wichtig: niemals Wasser aus dem Wasserhahn verwenden. 

Tipps für Einsteiger 

Sorgen Sie für gutes Licht. Ein helles Badezimmer und ein Spiegel auf Augenhöhe machen mehr Unterschied als jeder Trick. Im Halbdunkeln treffen Sie Ihr Auge schlechter und ziehen automatisch die Schultern hoch. 

Lassen Sie sich Zeit. Wer 5 Minuten vor dem Termin noch mit einer Linse kämpft, wird nervös – und ein nervöses Auge blinzelt reflexartig. Planen Sie in der ersten Woche lieber ein paar Minuten Puffer ein. 

Bleiben Sie bei einer festen Reihenfolge. Immer rechtes Auge zuerst, morgens und abends. So verwechseln Sie nie die Werte und vergessen auch keine Linse. 

Kürzen Sie Ihre Nägel. Lange Nägel sind der häufigste Grund für eingerissene Linsen und für kleine Kratzer auf der Hornhaut. Wenn Sie lange Nägel tragen möchten, arbeiten Sie bewusst nur mit der flachen Fingerkuppe. 

Erst die Linsen, dann das Make-up. Setzen Sie die Linsen vor dem Schminken ein und nehmen Sie sie vor dem Abschminken heraus. So gelangen keine Puder- oder Mascarapartikel unter die Linse. 

Wenn die Linse nicht haften will: Meist ist sie zu trocken oder liegt verkehrt herum. Spülen Sie sie mit frischer Pflegelösung ab, prüfen Sie noch einmal die Schalenform und geben Sie bei Bedarf einen Benetzungstropfen ins Auge. Blinzeln Sie ein paar Mal und versuchen Sie es erneut. Und wenn ein Versuch dreimal nicht klappt: kurz Pause machen, Hände waschen, neu ansetzen. Das ist kein Rückschritt, sondern der schnellste Weg. 

Hören Sie auf Ihre Augen. Brennen, Rötungen, verschwommene Sicht oder Schmerzen sind kein Teil der Eingewöhnung. Nehmen Sie die Linse in diesem Fall heraus und wenden Sie sich an Ihren Optiker oder Augenarzt. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag darüber, wie sicher das Tragen von Kontaktlinsen ist. 

Häufige Fragen 

Warum fällt meine Kontaktlinse immer raus? 

Ihre Kontaktlinse fällt meist deshalb heraus, weil sie nicht richtig auf der Hornhaut zentriert ist, weil Ihr Auge zu trocken ist oder weil der Durchmesser beziehungsweise die Basiskurve nicht optimal zu Ihrem Auge passt. Prüfen Sie zuerst, ob Sie nach dem Einsetzen mehrmals geblinzelt haben, und verwenden Sie bei trockenen Augen Benetzungstropfen. Fällt die Linse weiterhin regelmäßig heraus, lassen Sie die Passform bei einer Anpassung überprüfen – nicht jede Linsengeometrie sitzt auf jedem Auge gleich gut. 

Wie erkenne ich, ob die Linse verkehrt herum ist? 

Ob die Linse verkehrt herum liegt, erkennen Sie an ihrer Form: Legen Sie sie auf die Fingerkuppe und schauen Sie von der Seite darauf. Richtig liegt sie, wenn sie wie eine gleichmäßige kleine Schale mit nach oben gerichteten Rändern aussieht. Biegt sich der Rand nach außen wie bei einem Suppenteller, ist sie verkehrt herum. Eine verkehrt eingesetzte Linse tut nicht weh, fühlt sich aber unruhig an, verrutscht beim Blinzeln und macht die Sicht leicht verschwommen. 

Was tun, wenn ich die Linse nicht herausbekomme? 

Wenn Sie die Linse nicht herausbekommen, ist sie fast immer festgetrocknet und nicht verloren. Geben Sie 2 bis 3 Benetzungstropfen oder etwas Kochsalzlösung ins Auge, blinzeln Sie mehrfach und warten Sie eine Minute, bis die Linse wieder beweglich ist. Danach schieben Sie sie wie gewohnt nach unten und nehmen sie zwischen Daumen und Zeigefinger heraus. Ist die Linse nach oben unter das Oberlid gerutscht, schauen Sie in die entgegengesetzte Richtung und massieren das Lid sanft, um sie zurück ins Blickfeld zu bewegen. Gelingt es nach mehreren Versuchen nicht, gehen Sie zu Ihrem Optiker oder Augenarzt – zerren Sie nicht am Auge. 

Kann eine Kontaktlinse hinter das Auge rutschen? 

Nein, eine Kontaktlinse kann nicht hinter das Auge rutschen. Die Bindehaut verbindet Ihr Augenlid mit dem Augapfel und bildet eine geschlossene Barriere, die keine Linse passieren kann. Eine Linse kann sich unter das Oberlid schieben und dort kurz aus dem Blickfeld verschwinden, bleibt aber immer erreichbar. 

Wie lange dauert die Eingewöhnung? 

Die Eingewöhnung an Kontaktlinsen dauert bei den meisten Trägern 1 bis 2 Wochen. In den ersten Tagen spüren Sie die Linse beim Blinzeln vielleicht noch leicht, und das Einsetzen dauert länger als eine Minute. Nach etwa einer Woche läuft der Handgriff meist automatisch ab, und nach 2 Wochen nehmen die meisten die Linse im Alltag gar nicht mehr wahr. Steigern Sie die Tragedauer in dieser Zeit langsam und halten Sie sich an die von Ihrem Optiker empfohlenen Tragezeiten. 

Bereit für Ihre nächste Bestellung? 

Sie haben beide Handgriffe drauf – jetzt geht es nur noch darum, die richtige Linse für Ihren Alltag zu finden. Wenn Sie neu einsteigen, sind Tageslinsen die einfachste Wahl: frische Linse am Morgen, abends in den Müll, keine Reinigung. Was dabei für Sie sprechen kann, fassen wir in Ihrem Ratgeber zu Tageslinsen zusammen. Wer täglich trägt und langfristig sparen möchte, fährt mit Monatslinsen und der passenden Pflegelösung meist günstiger – die Details finden Sie in Ihrem Ratgeber zu Monatslinsen

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