Astigmatismus: Ursachen, Symptome & Korrektur

Was ist Astigmatismus?

Kurz gesagt 

Astigmatismus, auf Deutsch Hornhautverkrümmung, bedeutet, dass Ihre Hornhaut nicht gleichmäßig rund gekrümmt ist. Das Licht wird deshalb nicht in einem Punkt gebündelt, sondern verzerrt, und Sie sehen in der Nähe und in der Ferne unscharf. Laut Bundesgesundheitsministerium hat rund ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland eine solche Hornhautverkrümmung. Korrigieren lässt sie sich mit einer Brille mit Zylinderwert, mit torischen Kontaktlinsen oder operativ. 

Das Wichtigste auf einen Blick 

  • Astigmatismus ist keine Krankheit, sondern eine Fehlsichtigkeit, also eine Form der Brechkraftstörung. 
  • Er ist meist angeboren und bleibt über viele Jahre stabil, kann sich aber verändern. 
  • Typische Anzeichen sind unscharfes Sehen in allen Entfernungen, Kopfschmerzen, müde Augen und Lichthöfe um Lampen und Scheinwerfer. 
  • Bildschirmarbeit verursacht keinen Astigmatismus, sie macht die Beschwerden nur deutlicher spürbar. 
  • Torische Kontaktlinsen korrigieren die Hornhautverkrümmung mit einem zusätzlichen Zylinderwert und einer Achse. 

Dieser Ratgeber ersetzt keine augenärztliche Beratung. Lassen Sie Ihre Augen bei Beschwerden immer bei einer Augenärztin oder einem Augenarzt untersuchen. 

Was ist Astigmatismus? 

Bei einem normalsichtigen Auge ist die Hornhaut gleichmäßig gekrümmt, ungefähr wie die Oberfläche eines Fußballs. Einfallendes Licht wird dadurch in einem einzigen Punkt auf der Netzhaut gebündelt, und Sie sehen ein scharfes Bild. 

Bei Astigmatismus ist die Hornhaut in einer Richtung stärker gekrümmt als in der anderen, also eher wie ein Rugby-Ball. Das Licht wird nun nicht in einem Punkt, sondern in zwei Brennlinien gebündelt. Genau darauf bezieht sich der Fachbegriff: Astigmatismus kommt aus dem Griechischen und bedeutet Punktlosigkeit. Im Deutschen sagt man Hornhautverkrümmung oder auch Stabsichtigkeit, weil runde Punkte als kurze Striche wahrgenommen werden. 

Wichtig ist: Astigmatismus ist keine Augenkrankheit. Er gehört wie Kurzsichtigkeit und Weitsichtigkeit zu den Fehlsichtigkeiten und lässt sich in den meisten Fällen vollständig korrigieren.

Wie häufig ist Astigmatismus in Deutschland? 

Nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit auf dem Portal gesund.bund.de hat etwa ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland eine Hornhautverkrümmung. Diagnostiziert wird sie mit steigendem Alter häufiger. Viele Betroffene merken davon nichts, denn geringe Werte unter 0,5 Dioptrien Zylinder gelten als normal und müssen häufig gar nicht korrigiert werden. Erst ab etwa 0,75 bis 1,0 Dioptrien wird der Unterschied im Alltag deutlich sichtbar. 

Regulärer und irregulärer Astigmatismus 

Fachleute unterscheiden zwei Grundformen, und dieser Unterschied entscheidet darüber, welche Korrektur für Sie in Frage kommt. 

  • Regulärer Astigmatismus. Die beiden Hauptschnitte der Hornhaut stehen senkrecht zueinander, die Verkrümmung folgt also einem klaren Muster. Das ist der häufigste Fall und lässt sich mit einer Brille mit Zylinder oder mit torischen Kontaktlinsen korrigieren. 
  • Irregulärer Astigmatismus. Die Hornhautoberfläche ist unregelmäßig verformt, etwa nach einer Verletzung, einer Narbe oder bei Keratokonus. Eine Brille bringt hier oft keine ausreichende Schärfe. Nötig sind dann formstabile Speziallinsen, Hybridlinsen oder Sklerallinsen, die eine glatte optische Oberfläche über der Hornhaut bilden. 

Beim regulären Astigmatismus wird zusätzlich nach der Achslage unterschieden. Liegt die stärkere Krümmung senkrecht, sprechen Fachleute von Astigmatismus rectus, liegt sie waagerecht, von Astigmatismus inversus. Steht sie schräg, heißt das Astigmatismus obliquus. Für Sie im Alltag ist das vor allem eine Information auf Ihrem Rezept. 

Astigmatismus kommt selten allein 

In der Praxis tritt eine Hornhautverkrümmung meist zusammen mit Kurz- oder Weitsichtigkeit auf. Man spricht dann von myopischem Astigmatismus, wenn zusätzlich eine Kurzsichtigkeit besteht, und von hyperopischem Astigmatismus bei zusätzlicher Weitsichtigkeit. Sind beide Brennlinien unterschiedlich gelagert, heißt das gemischter Astigmatismus. Deshalb steht auf Ihrem Rezept in der Regel nicht nur ein Zylinderwert, sondern auch ein Sphärenwert. 

Ursachen: Warum entsteht eine Hornhautverkrümmung? 

Angeborener Astigmatismus 

Die meisten Hornhautverkrümmungen sind angeboren. Die Hornhaut wächst einfach nicht ganz gleichmäßig, und diese Form bleibt dann über Jahre und Jahrzehnte relativ stabil. Eine familiäre Häufung ist gut dokumentiert: Wenn Eltern eine Hornhautverkrümmung haben, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass auch die Kinder eine entwickeln. Sie können also nichts dafür und hätten es auch durch kein Verhalten verhindern können. 

Erworbener Astigmatismus 

Seltener entsteht ein Astigmatismus erst im Laufe des Lebens. Mögliche Ursachen sind: 

  • Verletzungen des Auges und daraus entstehende Hornhautnarben, die die Oberfläche unregelmäßig machen. 
  • Keratokonus. Bei dieser Erkrankung wird die Hornhaut dünner und wölbt sich kegelförmig vor. Der Astigmatismus nimmt dabei über Jahre zu und ist typischerweise irregulär. 
  • Entzündungen und Infektionen der Hornhaut, die Narben zurücklassen. 
  • Augenoperationen, etwa nach einer Kataraktoperation oder einer Hornhauttransplantation. 
  • Druck auf die Hornhaut, beispielsweise durch ein ausgeprägtes Gerstenkorn oder ein hängendes Oberlid. 

Kann sich Astigmatismus verändern? 

Ja, allerdings meist langsam. In der Kindheit und Jugend verändern sich die Werte häufiger, weil das Auge noch wächst. Im Erwachsenenalter bleibt ein angeborener Astigmatismus oft über viele Jahre nahezu konstant, kann sich aber mit dem Alter leicht verschieben, etwa von einer senkrechten zu einer waagerechten Achslage. Nimmt der Zylinderwert innerhalb kurzer Zeit deutlich zu oder verschlechtert sich Ihr Sehen trotz aktueller Korrektur, gehört das augenärztlich abgeklärt, weil dahinter ein Keratokonus stehen kann. 

Zwei Mythen, die sich hartnäckig halten 

  • Bildschirmarbeit verursacht keinen Astigmatismus. Das Portal gesund.bund.de stellt ausdrücklich klar, dass Bildschirmzeit nicht zur Entstehung beiträgt. Was stimmt: Bei langer Naharbeit blinzeln Sie seltener, die Augen ermüden, und eine bislang unbemerkte Hornhautverkrümmung fällt plötzlich auf. 

Lesen bei schlechtem Licht schädigt die Hornhaut nicht. Sie strengen Ihre Augen an, aber die Form der Hornhaut ändert sich dadurch nicht. taktlinsen gleichen die gekrümmte Hornhaut oder Linse aus und ermöglichen, dass Licht richtig auf der Netzhaut fokussiert werden kann.

Symptome: Woran erkennen Sie einen Astigmatismus? 

Ein geringer Astigmatismus macht oft überhaupt keine Beschwerden. Wird er größer, entstehen typische Anzeichen, die viele Betroffene lange auf Stress oder Müdigkeit schieben. 

  • Unscharfes Sehen in der Nähe und in der Ferne. Das ist das entscheidende Unterscheidungsmerkmal. Bei Kurzsichtigkeit sehen Sie in der Nähe gut, bei Weitsichtigkeit in der Ferne. Bei Astigmatismus ist es in beiden Entfernungen unscharf oder leicht verzerrt. 
  • Verzerrte Konturen. Geraden erscheinen leicht gekippt, Buchstaben wie O und C sind schwer zu unterscheiden, Punkte wirken zu Strichen gezogen. 
  • Kopfschmerzen, besonders im Bereich von Stirn und Schläfen, oft nach längerem Lesen oder Bildschirmarbeit. 
  • Augenermüdung und Druckgefühl, weil die Augenmuskulatur dauerhaft versucht, das unscharfe Bild nachzuschärfen. Fachleute nennen das asthenopische Beschwerden. 
  • Lichthöfe und Blendung. Um Lampen, Ampeln und Autoscheinwerfer sehen Sie Strahlen, Schleier oder Höfe. Das fällt vor allem nachts beim Autofahren auf, weil die Pupille im Dunkeln größer wird und mehr vom verzerrten Randbereich der Hornhaut zum Bild beiträgt. 
  • Zusammenkneifen der Augen und Kopfschiefhaltung, um durch einen schmalen Lidspalt eine schärfere Abbildung zu erzwingen. 
  • Schwierigkeiten beim Umschalten zwischen Nähe und Ferne, etwa vom Bildschirm zur Straße. 

Wenn Sie mehrere dieser Punkte bei sich wiedererkennen, ist ein Sehtest der nächste sinnvolle Schritt. Beschwerden, die plötzlich auftreten, mit Schmerzen, Rötung oder einem raschen Sehverlust einhergehen, gehören dagegen sofort in augenärztliche Behandlung. 

Diagnose in Deutschland: Augenarzt oder Optiker? 

In Deutschland haben Sie zwei Wege, und sie ergänzen sich. 

Beim Augenarzt 

Die augenärztliche Untersuchung ist der medizinische Weg. Sie ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung, das heißt der Besuch selbst wird bei Beschwerden über Ihre Versichertenkarte abgerechnet. Sie brauchen keine Überweisung, Augenärztinnen und Augenärzte können Sie direkt aufsuchen. Dort wird nicht nur die Sehstärke bestimmt, sondern auch geprüft, ob eine Erkrankung hinter Ihren Beschwerden steckt, etwa ein Keratokonus, eine Hornhautentzündung oder eine Linsentrübung. Genau das kann ein Optiker nicht leisten. 

Beachten Sie den Unterschied: Die Untersuchung ist Kassenleistung, die Sehhilfe selbst in der Regel nicht. Mehr dazu im Abschnitt zur Krankenkasse. 

Beim Augenoptiker 

Für die Bestimmung der Werte und besonders für die Kontaktlinsenanpassung ist der Augenoptiker die richtige Adresse. Eine Kontaktlinsenanpassung ist ein eigener Vorgang: Gemessen werden Hornhautradien, Hornhautdurchmesser, Tränenfilmqualität und der Sitz der Linse auf dem Auge. Brillenwerte lassen sich nicht einfach in Kontaktlinsenwerte übertragen, weil die Brille weiter vom Auge entfernt sitzt und Parameter wie Basiskurve und Durchmesser bei der Brille überhaupt nicht vorkommen. 

Diese Messungen erwarten Sie 

  • Objektive Refraktion. Ein Autorefraktometer misst die Brechkraft Ihres Auges automatisch, alternativ wird skiaskopiert. Das liefert den Ausgangswert. 
  • Subjektive Refraktion. Sie beurteilen selbst, mit welchen Gläsern Sie am besten sehen. Bei Astigmatismus kommt dabei der Kreuzzylinder zum Einsatz, mit dem Stärke und Achse des Zylinders feinjustiert werden. 
  • Hornhautmessung, auch Ophthalmometrie oder Keratometrie. Sie ermittelt die Krümmungsradien der Hornhaut in den Hauptschnitten. 
  • Hornhauttopografie. Sie erzeugt eine farbige Karte der gesamten Hornhautoberfläche. Das ist die entscheidende Untersuchung, wenn ein irregulärer Astigmatismus oder ein Keratokonus im Raum steht, und auch die Grundlage jeder Operationsplanung. 

Ihr Rezept lesen: Zylinder und Achse 

Nach der Messung halten Sie Werte in der Hand, die auf den ersten Blick kryptisch wirken. 

  • SPH, die Sphäre. Der sphärische Anteil in Dioptrien, mit Minus für Kurzsichtigkeit und Plus für Weitsichtigkeit. 
  • CYL, der Zylinder. Die Stärke der Hornhautverkrümmung in Dioptrien. Je höher der Betrag, desto ausgeprägter der Astigmatismus. 
  • ACHSE, in Grad von 0 bis 180. Sie gibt an, in welcher Richtung der Zylinder wirken muss. Ohne die richtige Achse bringt die richtige Stärke nichts. 
  • BC und DIA. Basiskurve und Durchmesser, beide nur bei Kontaktlinsen relevant. 

Wie Sie diese Werte beim Bestellen korrekt übertragen, erklärt unser Ratgeber Kontaktlinsenwerte: wie gebe ich sie richtig ein? Schritt für Schritt. 

Wie wird Astigmatismus korrigiert? 

Es gibt drei etablierte Wege, und keiner davon ist grundsätzlich besser als die anderen. Entscheidend sind Ihre Werte, Ihr Alltag und Ihre Augengesundheit. 

  • Brille mit Zylinder. Ein Brillenglas mit zylindrischem Anteil bricht das Licht in einer Richtung stärker als in der anderen und gleicht die Verkrümmung damit aus. Das ist der einfachste Weg, funktioniert bei regulärem Astigmatismus sehr zuverlässig und braucht keine Eingewöhnung an das Auge selbst. Bei hohen Zylinderwerten kann das Bild anfangs leicht verzogen wirken, weil die Vergrößerung in den beiden Richtungen unterschiedlich ausfällt. 
  • Torische Kontaktlinsen. Sie sitzen direkt auf dem Auge, verzerren die Bildgröße kaum und geben Ihnen ein weiteres, unbegrenztes Sichtfeld ohne Rand. Für Sport, für Regen und für alle, die keine Brille tragen möchten, sind sie die praktische Antwort. 
  • Operative Korrektur. Ein Laser oder eine Kunstlinse verändert die Brechkraft dauerhaft. Dazu mehr weiter unten. 

Torische Kontaktlinsen: so funktionieren sie 

Warum sphärische Linsen nicht ausreichen 

Eine normale, sphärische Kontaktlinse hat überall dieselbe Brechkraft. Sie korrigiert Kurz- oder Weitsichtigkeit, lässt die Hornhautverkrümmung aber unberührt, und das Bild bleibt verzerrt. Bei sehr kleinen Zylinderwerten bis etwa 0,75 Dioptrien kann Ihr Optiker in Einzelfällen dennoch eine sphärische Linse anpassen, wenn Sie damit ausreichend gut sehen. Ab etwa 0,75 bis 1,0 Dioptrien führt am torischen Design in der Regel kein Weg vorbei. 

Zwei Brechkräfte in einer Linse 

Eine torische Kontaktlinse hat zwei unterschiedliche Brechkräfte in zwei senkrecht zueinander stehenden Richtungen. Damit sie wirkt, muss sie im Auge in genau der richtigen Drehlage sitzen und darf dort auch beim Blinzeln nicht verrutschen. Dafür gibt es mehrere Konstruktionsprinzipien: 

  • Prismenballast. Die Linse ist unten dicker und damit schwerer. Die Schwerkraft und der Lidschlag halten sie in Position. 
  • Dynamische Stabilisierung. Ober- und Unterrand der Linse sind abgeflacht, sodass die Augenlider die Linse bei jedem Blinzeln in die richtige Lage schieben. 
  • Zonen-Designs der Hersteller. ACUVUE nutzt beim Blink-Stabilised Design vier Stabilisierungszonen, die die Linse auch bei Kopfbewegungen und wechselnder Blickrichtung ruhig halten. Alcon setzt beim PRECISION BALANCE 8|4 Design auf zwei Ballastzonen und gibt an, dass die Linse in unter 60 Sekunden stabil sitzt. 

Praktisch heißt das für Sie: Nach dem Einsetzen kann das Bild für einige Sekunden leicht schwimmen, bis die Linse ihre Position gefunden hat. Bleibt das Sehen dauerhaft wechselhaft, sitzt die Linse nicht richtig, und die Anpassung gehört korrigiert. Woran Sie einen guten Sitz erkennen, zeigt unser Ratgeber Wie erkenne ich, dass eine Linse richtig aufliegt? 

Torische Linsen brauchen etwas mehr Geduld 

Rechnen Sie mit einer Eingewöhnung von einigen Tagen. Torische Linsen sind an einer Stelle dicker als sphärische, das spüren manche Träger anfangs. Außerdem gibt es sie in einem etwas engeren Werteraster, weil zu jeder Kombination aus Sphäre und Zylinder noch die Achse passen muss. Ihr Optiker wählt deshalb mitunter die nächstgelegene verfügbare Achse. 

Torische Kontaktlinsen im Lenstore Sortiment 

Alle torischen Modelle finden Sie gebündelt in der Kategorie torische Kontaktlinsen. Die folgenden Preise gelten mit Stand August 2026, mit dem Linsenabo liegen sie 10 % darunter. 

Torische Tageslinsen 

  • MyDay Toric: Stenfilcon A mit 54 % Wassergehalt und 80 Dk/t Sauerstoffdurchlässigkeit, 32,99 € für 30 Linsen. 

Torische Zwei-Wochen-Linsen 

  • ACUVUE OASYS for Astigmatism: Senofilcon A mit 38 % Wassergehalt, vier Stabilisierungszonen, HYDRACLEAR PLUS und UV-Filter der Klasse 1, 31,99 € für 6 Linsen. Wechselrhythmus: bei täglichem Tragen alle 14 Tage. 

Torische Monatslinsen 

  • Biofinity Toric: Comfilcon A mit 48 % Wassergehalt und Aquaform-Technologie, Basiskurve 8,7 mm, Durchmesser 14,5 mm, 37,78 € für 6 Linsen. 
  • Total30 for Astigmatism: Lehfilcon A mit Wassergradient, CELLIGENT-Technologie, UV-Filter der Kategorie 1 und Blaulichtfilter, 61,18 € für 6 Linsen. 

Weitere Modelle finden Sie in den Markenübersichten zu Biofinity und Acuvue. 

Torische Tages- oder Monatslinsen? 

Beide Varianten korrigieren einen Astigmatismus gleich gut. Der Unterschied liegt in Pflege, Kosten und Flexibilität. 

Für torische Tageslinsen spricht: 

  • Keine Reinigung, kein Behälter, keine Pflegemittel. 
  • Jeden Morgen eine frische, sterile Linse und dadurch das geringste Risiko für Ablagerungen und Reizungen. 
  • Ideal, wenn Sie Linsen nicht täglich, sondern für Sport, Reisen oder Abende brauchen. 
  • Praktisch bei torischen Werten, weil eine verrutschte oder beschädigte Linse einfach durch die nächste ersetzt wird. 

Für torische Monatslinsen spricht: 

  • Deutlich günstiger, wenn Sie täglich Linsen tragen. 
  • Größere Auswahl an hohen Zylinderwerten und Sonderachsen, weil das Werteraster der Monatslinsen oft breiter ist. 
  • Weniger Verpackungsmaterial. 
  • Der Nachteil: Sie brauchen eine Pflegeroutine mit einer All-in-One-Lösung und müssen den Behälter regelmäßig wechseln. 

Wenn Sie tiefer vergleichen möchten, hilft unser Artikel Tages- vs. Monatslinsen: Welche der beiden sind besser? sowie die Ratgeber zu Tageslinsen, Zwei-Wochen-Linsen und Monatslinsen. Unsicher, welcher Linsentyp überhaupt zu Ihnen passt? Dann führt Sie Welcher Kontaktlinsentyp passt zu mir? durch die Optionen. 

Zahlt die Krankenkasse bei Astigmatismus? 

Hier lohnt es, genau zu trennen, denn viele Versicherte erwarten mehr, als die gesetzlichen Regeln hergeben. 

Die Untersuchung bei einer Augenärztin oder einem Augenarzt ist bei Beschwerden eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. 

Die Sehhilfe dagegen zahlen gesetzlich Versicherte über 18 Jahre in der Regel selbst. Ein Zuschuss zu Brillengläsern ist nur in bestimmten Fällen vorgesehen, unter anderem: 

  • bei Kurz- oder Weitsichtigkeit ab 6,25 Dioptrien, 
  • bei Astigmatismus ab 4,25 Dioptrien, 
  • bei einer schweren Sehbeeinträchtigung, wenn die Sehschärfe auf dem besseren Auge auch mit Korrektur höchstens 30 % erreicht, 
  • bei therapeutischen Sehhilfen, die zur Behandlung einer Augenverletzung oder Augenerkrankung nötig sind. 

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind besser gestellt. Bei ihnen übernimmt die Krankenkasse Sehhilfen, wenn sie medizinisch notwendig sind, und dazu zählt auch ein Astigmatismus, der die Sehschärfe beeinträchtigt. 

Kontaktlinsen werden nur in medizinisch begründeten Ausnahmefällen erstattet, etwa bei sehr hohen Fehlsichtigkeiten, stark unterschiedlichen Werten beider Augen oder besonderen medizinischen Gründen. Ein Astigmatismus allein reicht dafür nicht aus, und aus kosmetischen Gründen oder für farbige Linsen zahlt die Kasse nicht. 

Ein Hinweis, der oft untergeht: Ein Zylinderwert von 4,25 Dioptrien ist selten. Die meisten Menschen mit Astigmatismus tragen ihre Korrektur also auf eigene Kosten. Private Krankenversicherungen und einige Zusatzversicherungen haben eigene, oft großzügigere Regeln, das lohnt einen Blick in Ihren Vertrag. Verbindlich informiert Sie immer Ihre Krankenkasse. 

Astigmatismus bei Kindern 

Bei Kindern hat eine unkorrigierte Hornhautverkrümmung eine andere Dimension, denn das Sehen muss sich erst entwickeln. Bleibt das Bild in den ersten Lebensjahren dauerhaft unscharf, lernt das Gehirn das Sehen mit diesem Auge nicht richtig. Daraus kann eine Schwachsichtigkeit, eine Amblyopie, entstehen, die sich später kaum noch aufholen lässt. 

Deshalb gilt: früh hinschauen. In Deutschland sind Sehprüfungen Teil der Kinder-Früherkennungsuntersuchungen, und bei Auffälligkeiten oder familiärer Vorbelastung ist eine augenärztliche Untersuchung sinnvoll, auch wenn das Kind selbst nicht klagt. Kinder vergleichen nicht, sie halten ihr Sehen für normal. 

Achten Sie auf diese Hinweise: 

  • Das Kind kneift die Augen zusammen oder hält den Kopf schief. 
  • Es sitzt sehr nah am Bildschirm oder am Buch. 
  • Es klagt über Kopfschmerzen, reibt sich häufig die Augen oder ermüdet beim Lesen schnell. 
  • Es verliert beim Lesen die Zeile oder vermeidet Naharbeit. 
  • Ein Auge weicht ab, blinzelt oder tränt. 

Wird ein Astigmatismus früh erkannt, ist die Behandlung meist unkompliziert: eine Brille, gegebenenfalls ergänzt um eine Abdecktherapie, wenn schon eine Schwachsichtigkeit besteht. Kontaktlinsen sind für Kinder grundsätzlich möglich, hängen aber von Reife und Hygieneverständnis ab und gehören in jedem Fall augenärztlich und optikerseitig begleitet. 

Ein weiterer Punkt beschäftigt Augenärzte in Deutschland zunehmend: Kurzsichtigkeit nimmt bei Kindern und Jugendlichen deutlich zu, begünstigt durch viel Naharbeit und wenig Tageslicht. Weil Astigmatismus häufig gemeinsam mit Kurzsichtigkeit auftritt, betrifft diese Entwicklung viele Familien doppelt. Zwei Stunden Aufenthalt im Freien pro Tag und regelmäßige Pausen bei Naharbeit gelten als sinnvolle Vorsorge gegen das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit. 

Astigmatismus operieren lassen 

Eine Hornhautverkrümmung lässt sich auch dauerhaft korrigieren. Die gängigen Verfahren: 

  • LASIK und Femto-LASIK. Es wird ein dünnes Hornhautscheibchen präpariert, das darunter liegende Gewebe per Excimerlaser umgeformt und das Scheibchen zurückgelegt. Etabliert und für viele reguläre Astigmatismen geeignet. 
  • SMILE. Der Femtosekundenlaser trennt im Inneren der Hornhaut ein kleines Gewebescheibchen heraus, das durch einen kleinen Schnitt entnommen wird. Ohne Flap und deshalb bei bestimmten Ausgangslagen im Vorteil. 
  • PRK und Trans-PRK. Oberflächenverfahren ohne Flap, sinnvoll bei dünner Hornhaut. Die Heilung dauert länger und ist in den ersten Tagen unangenehmer. 
  • Torische Kunstlinsen. Wird zusätzlich der Graue Star operiert oder ist die Hornhaut für einen Laser nicht geeignet, kann eine torische Intraokularlinse eingesetzt werden. Sie korrigiert den Zylinder dauerhaft im Auge. 

Voraussetzung für eine Laserbehandlung sind stabile Werte über mindestens 12 Monate, eine ausreichend dicke und gesunde Hornhaut sowie ein Alter ab 18 Jahren. Bei Keratokonus sind abtragende Laserverfahren in der Regel ausgeschlossen, hier kommen andere Ansätze wie eine Vernetzungsbehandlung der Hornhaut in Frage. Die Kosten trägt bei einer refraktiven Operation aus optischen Gründen die gesetzliche Krankenkasse nicht. 

Wichtig für Kontaktlinsenträger: Vor der Voruntersuchung sollten Sie Ihre Linsen einige Tage bis Wochen weglassen, damit die Hornhaut ihre natürliche Form zeigt. Die genaue Dauer gibt Ihnen die operierende Klinik vor. Und nicht jede Operation macht Kontaktlinsen für immer überflüssig: Bei Restfehlern oder später einsetzender Alterssichtigkeit können Linsen erneut sinnvoll werden, dann meist als Speziallinsen für die veränderte Hornhautform. 

Alltagstipps bei Astigmatismus 

  • Nachtfahrten. Fahren Sie mit aktueller Korrektur, halten Sie Windschutzscheibe und Brillengläser sauber, und dimmen Sie die Instrumentenbeleuchtung. Streulicht verstärkt Lichthöfe zusätzlich. 
  • Bildschirmarbeit. Nutzen Sie die 20-20-20-Regel: alle 20 Minuten für 20 Sekunden etwa 6 Meter in die Ferne schauen. Das entspannt die Augenmuskulatur und regt das Blinzeln an. 
  • Trockene Augen. Torische Linsen sitzen ruhiger, wenn der Tränenfilm stabil ist. Passende Augentropfen für Kontaktlinsenträger helfen, Hintergründe liefert unser Artikel Diagnose: trockene Augen. 
  • Sonnenschutz. Eine Sonnenbrille mit UV-Schutz reduziert Blendung deutlich. Der UV-Filter in einer Kontaktlinse schützt nur den von der Linse bedeckten Bereich und ersetzt sie nicht. 
  • Regelmäßige Kontrolle. Lassen Sie Werte und Linsensitz mindestens jährlich prüfen, bei Veränderungen früher. 

Häufige Fragen zu Astigmatismus 

Was ist Astigmatismus? 

Astigmatismus ist eine Fehlsichtigkeit, bei der die Hornhaut nicht gleichmäßig rund, sondern in einer Richtung stärker gekrümmt ist, ähnlich wie ein Rugby-Ball. Das einfallende Licht wird deshalb nicht in einem Punkt gebündelt, sondern in zwei Brennlinien, und das Bild wirkt in der Nähe und in der Ferne unscharf oder verzerrt. Im Deutschen heißt Astigmatismus auch Hornhautverkrümmung. 

Kann Astigmatismus sich verschlechtern? 

Astigmatismus kann sich verschlechtern, verändert sich bei Erwachsenen aber meist nur langsam und geringfügig. In Kindheit und Jugend sind Veränderungen häufiger, weil das Auge noch wächst. Nimmt der Zylinderwert in kurzer Zeit deutlich zu, sollten Sie das augenärztlich abklären lassen, weil eine Erkrankung wie Keratokonus dahinterstecken kann. 

Kann man bei Astigmatismus normale Kontaktlinsen tragen? 

Bei Astigmatismus können Sie normale, also sphärische Kontaktlinsen nur bei sehr geringen Zylinderwerten bis etwa 0,75 Dioptrien tragen, und auch das nur, wenn Ihr Optiker damit ein ausreichend scharfes Sehen erreicht. Ab etwa 0,75 bis 1,0 Dioptrien brauchen Sie torische Kontaktlinsen, weil nur sie den Zylinderwert und die Achse korrigieren. 

Werden torische Kontaktlinsen von der Krankenkasse erstattet? 

Torische Kontaktlinsen werden von der gesetzlichen Krankenkasse nur in medizinisch begründeten Ausnahmefällen erstattet, etwa bei sehr hohen Fehlsichtigkeiten oder stark unterschiedlichen Werten beider Augen. Ein Zuschuss zu Sehhilfen für Erwachsene ist unter anderem ab einem Astigmatismus von 4,25 Dioptrien möglich. Was in Ihrem Fall gilt, sagt Ihnen verbindlich Ihre Krankenkasse. 

Ist Astigmatismus heilbar? 

Astigmatismus ist nicht heilbar im Sinne einer Erkrankung, die verschwindet, aber er ist sehr gut korrigierbar. Brille und torische Kontaktlinsen gleichen ihn aus, solange Sie sie tragen. Eine dauerhafte Korrektur ist mit einer Laserbehandlung oder einer torischen Kunstlinse möglich, wenn die medizinischen Voraussetzungen erfüllt sind. 

Wie viel Astigmatismus ist normal? 

Als normal gilt ein Astigmatismus unter 0,5 Dioptrien, denn nahezu jedes Auge weicht minimal von der perfekten Kugelform ab. Werte in dieser Größe müssen meist nicht korrigiert werden. Ab etwa 0,75 bis 1,0 Dioptrien wird die Verzerrung im Alltag spürbar, ab 2,0 Dioptrien sprechen Fachleute von einem ausgeprägten Astigmatismus. 

Verursacht Bildschirmarbeit Astigmatismus? 

Bildschirmarbeit verursacht keinen Astigmatismus. Das Portal gesund.bund.de des Bundesgesundheitsministeriums stellt ausdrücklich klar, dass Bildschirmzeit nicht zur Entstehung beiträgt. Lange Naharbeit lässt Sie aber seltener blinzeln und ermüdet die Augen, sodass eine vorhandene Hornhautverkrümmung stärker auffällt. 

Warum sehe ich nachts Strahlen um Lichter? 

Strahlen und Lichthöfe um Lampen und Scheinwerfer entstehen bei Astigmatismus, weil die unregelmäßig gekrümmte Hornhaut das Licht verzerrt statt in einem Punkt zu bündeln. Nachts wird die Pupille größer, sodass mehr Licht durch die Randbereiche der Hornhaut fällt und der Effekt deutlicher wird. Eine aktuelle Korrektur reduziert das merklich. 

Wie lange dauert die Eingewöhnung an torische Kontaktlinsen? 

Die Eingewöhnung an torische Kontaktlinsen dauert bei den meisten Trägern einige Tage bis etwa 2 Wochen. Direkt nach dem Einsetzen kann das Bild kurz schwimmen, bis die Linse ihre Drehlage gefunden hat. Bleibt das Sehen dauerhaft wechselhaft oder unscharf, sitzt die Linse nicht korrekt und die Anpassung sollte überprüft werden. 

Kann man Astigmatismus mit Augenübungen wegtrainieren? 

Astigmatismus lässt sich nicht mit Augenübungen wegtrainieren, denn seine Ursache liegt in der Form der Hornhaut und nicht in der Muskulatur. Sehübungen können verspannte Augen entlasten, verändern aber die Krümmung der Hornhaut nicht. Wirksam sind Brille, torische Kontaktlinsen oder eine operative Korrektur. 

Der nächste Schritt 

Wenn Sie Ihre Werte kennen, entdecken Sie unsere torischen Kontaktlinsen für Astigmatismus, von Tageslinsen bis zu Monatslinsen. Wenn Sie noch unsicher sind, welcher Rhythmus zu Ihnen passt, starten Sie mit unserem Ratgeber zu Tageslinsen. Und falls Ihre letzte Kontrolle länger zurückliegt: Der Weg zur Augenärztin oder zum Augenoptiker ist der beste erste Schritt. 

Quellen 

  • Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de: Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) — Definition, Häufigkeit, Ursachen, Diagnostik und Behandlung. 
  • GKV-Spitzenverband, Produktgruppe 25 Sehhilfen, sowie die Regelungen zur Versorgung mit Sehhilfen nach SGB V zu Dioptrien-Grenzen und Ausnahmefällen für Kontaktlinsen. 

Dieser Ratgeber dient der Information und ersetzt keine augenärztliche Diagnose oder Beratung. Lassen Sie Kontaktlinsen immer beim Augenoptiker oder Augenarzt anpassen.