Bemerkenswerte Persönlichkeiten der Augenoptik – Otto Wichterle

Otto Wichterle (1913 – 1998)

Otto Wichterle war ein am 27. Oktober 1913 in Prostějov, Mähren, im ehemaligen Österreich-Ungarn (jetzt Tschechische Republik), geborener Erfinder und Chemiker. Wichterles Vater war ein erfolgreicher Maschinenbauer. Doch statt in dessen Fußstapfen zu treten, lagen Ottos Karriereziele in der Chemie statt Maschinenbau.  

Wichterle studierte Chemie an der Technischen Universität Prag. 1936 schloss er mit der Promotion zunächst sein Chemiestudium ab, reichte 1939 aber eine zweite Doktorabeit ein. Als Forscher spezialisierte er sich auf Kunststoffe und Hydrogele, welche sich in der Augenheilkunde als besonders wertvoll herausstellten.  

Über seine gesamte Karriere hinweg sorgten seine politischen Überzeugungen oft für ein Spannungsverhältnis mit der tschechischen kommunistischen Regierung und dem akademischen Establishment, welche ihm wiederholt die Fördermittel für seine Experimente verwehrten. Dieser politische Gegenwind brachte Wichterle dazu, seine Arbeit von zu Hause aus auszuüben, oft mit der Hilfe seiner Frau, Lidia, einer Ärztin.  

Wichterle ging 1979 in den Ruhestand, experimentierte aber weiterhin mit Polymeren für andere Verwendungszwecke und widmete sich dem Reisen und Programmieren.  Nach der samtenen Revolution von 1989 setzte er als gewählter Präsident der Tschechoslowakischen Akademie der Wissenschaften seine Universitätskarriere fort. Otto Wichterle verstarb in seinem Schlaf im Alter von 84 Jahren am 18. August 1998 in Stražisko, Tschechische Republik, nicht weit entfernt von dem Dorf, in dem er geboren wurde. 

Otto Wichterles Beiträge zur Augenoptik

Otto Wichterles deutlicher Einfluss auf die Augenoptik und seine Verbesserungen von Methoden der Sehkorrektur haben einen engen Bezug zu seiner Forschungsarbeit und seinen Experimenten in der Chemie. Seine Entwicklung von Kunststoffen und seine Forschung zu Hydrogelen wurden zum essenziellen Baustein bei der Erfindung von weichen Kontaktlinsen.

Die Entwicklung eines neuen Materials namens pHEMA (Polyhydroxyethylmethacrylat) mit Hilfe seines Kollegen Drahoslav Lím ermöglichte es Wichterle, weiche Kontaktlinsen mit einer bestimmten Krümmung herzustellen – dies verbesserte den Tragekomfort deutlich. Dieses transparente Polymer konnte bis zu 40% Wasser absorbieren und zur besseren Anpassung an das Auge des Trägers in bestimmte Formen gegossen werden. Zur Schaffung eines Herstellungssystems für seine Erfindung nutzte Otto Wichterle den Merkur-Konstruktionsbaukasten seines Sohnes, um seine ersten Hydrogel-Kontaktlinsen zu formen, die er Geltakt taufte.

Andere erwähnenswerte Errungenschaften von Otto Wichterle

Wichterle gewann zahlreiche Preise über den Lauf seiner Karriere hinweg und erhielt verschiedene Ehrungen. Dazu gehören:

  • Inhaber von 200 Patenten  
  • Autor von 180 Publikationen in führenden Fachzeitschriften 
  • Gewählt zum ersten Vorsitzenden der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik. 
  • Der Asteroid 3899 (Wichterle), der die Sonne umkreist, ist ihm zu Ehren benannt. 
  • Am 27. Oktober 2021 feierte ein Google Doodle den 108. Geburtstag von Wichterle. 
  • Zwei prestigeträchtige Universitäten – die Polytechnic University in Brooklyn sowie die University of Illinois – verliehen ihm Ehrentitel.

Schlusswort

Otto Wichterle gilt als der Erfinder der heutigen weichen Kontaktlinsen, die aus Hydrogel-Polymeren bestehen, sowie deren Patent und Prozess der Massenvermarktung. Mit Hilfe der als erstes von John Herschel beschriebenen Idee zum Ausgießen von Kontaktlinsen machten Otto Wichterles Verbesserungen durch Patente und Lizenzen an etablierte Optik-Hersteller wie Bausch & Lomb Kontaktlinsen für die breite Masse verfügbar (wenn auch ohne Wichterles Erlaubnis).

Wichterle und sein Schüler Drahoslav Lím wussten, dass es noch Raum zur Verbesserung der Hydrogel-Kontaktlinsen gab. Nach dem Tod Wichterles 1998 setzte Lím das Lebenswerk seines Mentors fort.